“For You, Vor Ort” – Der neue “Claim” des Discounters Schlecker sorgte beim Verein für Sprachpflege für gehörige Aufregung. Denglish, Anglizismen: geht gar nicht. Das ging so weit das ein Protestbrief mit gesammelten Unterschriften an Schlecker geschickt wurde. Davon mag man halten was man will aber die Antworten des Leiters Medienkommunikation von Schlecker gehen prinzipiell auf keine Kuhhaut.
Der Slogan wende sich speziell an die “durchschnittlichen Schlecker-Kunden, die niederen bis mittleren Bildungsniveaus zuzuordnen sind”, ist da zu lesen. Von töften Marketingprofis und zielgruppenorientiertem Werben ist da die Rede. Die optimale “Parole”. Schlecker verteidigt sich damit das ein niedriges oder mittleres Bildungsniveau in keinster Weise wertend zu betrachten sei. Schliesslich seien die “Malocher” ja die Stütze der Gesellschafft. Diejenigen, die sich über die Aussage über das Bildungsniveau der Schlecker Kunden echauffieren, seien ja der wirkliche Grund wegen dem die Welt so schlecht ist wie sie eben ist.
Wie sehr Schlecker das Wohl jedes Einzelnen am Herzen liegt, bewies das Unternehmen ja schon mit einem Vertrauensvorschuss seinen Mitarbeitern gegenüber. “Experten” mischen sich in die Diskussion mit ein und aus Werbers Sicht ist “Niedriges Bildungsniveau” zunächst einmal eine Klassifizierung für Teile des Jagdwilds “Kunde”. Für so etwas lieben wir ja unsere Werbung auch so sehr. Mikro-, Makroöffentlichkeit, pass auf wie du dich kommunizierst, jeder kann es mitbekommen.
Tja dumm nur wenn diese berufsmäßige Arroganz zum Standard wird und man sich auch nach aussen so gibt, so wie der Werber nun mal tickt. Hierbei handele es sich ja auch um gar keinen Skandal, weil nichts skandalöses aufgedeckt wurde. Es sei lediglich ein Fall von Arroganz gepaart mit der Unfähigkeit sich in Zeiten der zahlreichen Social Media Kanäle richtig zu presentieren.
In der Quintessenz soll uns das also sagen: Alles Drecksäcke, das wissen wir, aber solange man die Überheblichkeit hinter vorgehaltener Hand zelebriert ist das schon okay, wir wissen ja wie die drauf sind. W-T-F!!!
Genau diese Argumentationskette zeigt aber das es hier in erster Linie gar nicht um Schleckers Slogan und ihren arroganten Medienkommunikations Heini geht, sondern vielmehr um die Arroganz der Werber an sich und ihre Doppelzüngigkeit. Sicherlich ist eine Aussage über das jeweilige Bildungsniveau nicht wertend zu betrachten (jetzt so aus Reklame-Profi-Sicht) aber zeigt dieses Glanzstück hier eben doch das bei den feinen Agenturfritzen ein gewisses Maß an Hochnäsigkeit mitschwingt und wo denn nun wirklich der Hase im Pfeffer liegt. Der unbeholfene Versuch des Discounters die Wogen zu glätten wirkt denn auch eher wie Öl aufs Feuer.
[wuv.de, wirres.net]
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Ich sach mal so: Dass die Werbeagenturen gezielte Kampagnen auf die Kundenzielgruppe starten, ist doch kein Geheimnis. Nur das Schlecker das “offiziell” an den Sprachverein geschickt hat mit der Begründung seiner Marketingstrategie war halt net soooo clever. Aber was regen wir uns denn auf? Wo ist z.B. der Aufschrei bei dem Slogan von elitepartner “Akademiker und Singles mit Niveau”? Diese Aussage ist doch genauso klar und sagt nichts anderes, bist Du kein Akademiker oder Gymnasiast, hast Du kein Niveau also versuchs hier gar nicht du Hohlbrot! Oder nimm Douglas “Come in and find out”, ich meine da ist doch vollkommen klar, dass sich der Slogan nicht an Anglistiker richtet, sondern nach dem Motto geschrieben wurde “die Kunden, die das als “komm rein und finds heraus” übersetzen, sind gerade die richtigen Deppen, die für unseren Scheiss zahlen. Die Zielgruppe ist wirtschaftlich nicht die stärkste und bildungstechnisch zu einem Großteil wahrscheinlich auch nicht, also hauen wir ihnen einen völlig inkorrekten Pseudospruch um die Ohren, der suggeriert, dass sie die Botschaft richtig verstanden haben und deshalb das genau ihr Laden ist.
Das ist doch bei jeder Kampagne der Fall. Apples “think different” suggeriert doch auch, nimmst Du nen Apple, bist du anders, besser, innovativ und tatsächlich hat sich gesammelte “Kreativbranche” auf Apple gestürzt und die Marke zum Understatement erkoren.
Es geht lediglich darum, das angestrebte Kundenpotential anzusprechen und das mit allen Mitteln. Und ja, ich gebe Dir Recht, die Werbefuzzis sind arrogant aber genauso funktioniert es eben. Es sind immer die drei Fragen:
1. Was ist die Zielgruppe?
2. Wie lässt sich die Zielgruppe in Kaufkraft, Identifikation und eben auch Bildungsniveau aufschlüsseln?
3. Welches ist der kleinste gemeinsame Nenner der Botschaft?
Und sooo daneben liegen diese Werbefuzzis eben nicht. Sie haben eine Analyse ihrer Kundschaft durchgeführt und ja, diese Kundschaft ist offensichtlich für vollkommen verquere Anglizismen zu haben.
Das ist andererseits, bei Dir oder mir nicht viel anders. Ich kann mich noch dran erinnern, wie mich der Sony Claim “it’s not a trick it’s a Sony” tatsächlich angesprochen hat. Also, ich war wohl gemeint und mich ham se gekriegt. Es gibt KEINEN claim da draussen hinter dem nicht diese Werbefuzzis tage-, wochen-, oder monatelang gebrütet haben, die potentielle Kundschaft durchleuchtet und dann auf diese zugeschnitten haben. Nur Schlecker hat es halt ausgesprochen. Das wäre alles kein “Skandal” geworden, wenn Schlecker in seiner Begründung statt “Niedriges und mittleres Bildungsniveau” geschrieben hätte “wir gehen davon aus, dass unsere Zielgruppe sich von dem Claim angesprochen fühlt” Punkt aus und keiner hätte sich aufgeregt.
Lol, ich meinte natürlich “Anglisten” my fail