Es hat doch etwas länger gedauert bis ich mich mal aufraffen konnte den zweiten Teil zu schreiben, naja gut Ding braucht bekanntlich eine Weile. In diesem Teil soll es um die aktuellen Möglichkeiten des Musikkonsums und -Vermarktung im digitalen Zeitalter gehen.
Das Medium “Physikalischer Tonträger” ist ja ein alter Hut, nur DJs und “echte” Fans legen noch Wert darauf ein Original im Regal stehen zu haben. Viel leichter ist es doch mittels Internet und bereitwilligen Bekannten digitale Files auszutauschen, um jetzt nicht das böse Wort “Stehlen” zu verwenden. Selbst wenn man sich nicht die Festplatte oder den Player mit illegaler Ware voll packt bieten online Plattformen wie LastFM, Streaming Radios, Online-Stores etc. die Möglichkeit an die heiß begehrten Tunes zu kommen, natürlich gibt es abseits vom Mainstream auch noch Freie Musik unter Creative Commons Lizenz.
Dank Smartphones wie IPhone oder G1 ist es mittlerweile sogar möglich Streamingdienste unterwegs zu nutzen und bei der rosigen Zukunft die dem Internet prophezeiht wird, scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein bis das komplette Musikarchiv outgesourcet und in Hi-Def verfügbar ist. Selbst die Musikproduktion hat ihren Weg ins Internet gefunden, z.B. kann man bei DigitalMusician.net via Online-Tool übers Netz Kollaborieren und sich Spuren hin und her schicken. DigiMix schickt sich gar an eine online DAW klar zu fahren, sogar mit Aufnahmefunktion inklusive Echtzeiteffekten, Latenz ick hör dir trappsen…
Es ist aber schon verwunderlich das die Bereitschafft Geld für etwas zu berappen das man mag, nämlich die Musik, bei der breiten Masse immer geringer wird. Liegt es vielleicht daran das Künstler und ihre Produkte (die Songs) immer austauschbarer und nicht mehr einzigartig sind? Siehe den aktuellen Auto-Tune Trend oder das Euro-Dance Revival. Oder liegt es daran das immer mehr Musik in immer kürzeren Abständen erscheint so das keine Zeit mehr bleibt sich intensiv damit zu beschäftigen ohne den nächsten Trend zu verpassen? Es scheint mir häufig so das es gerade bei der Fangemeinde der “Mainstream Künstler” nicht so sehr um die Musik sondern viel mehr um das Image geht, welches man sich mit dem hören der Musik aneignen will. Musik ist also quasi Mode Acessoir und keine Kunst mehr der man sich gerne hingibt.
Ich spreche Leute sehr gerne direkt darauf an wenn ich etwas von “CD brennen” oder “mp3 kopieren” höre, die Dialoge laufen meistens immer nach dem gleichen Schema ab:
- “Würdest du auch ne CD im Laden klauen?”
- “Nein natürlich nicht!”
- “Aber im Prinzip ist das doch nichts anderes, und wenn das jeder macht verdient dein lieblingkünstler mit seiner Musik kein Geld mehr und muss sich irgend einen Job suchen und hat somit keine Zeit mehr sich um seine Musik zu kümmern.”
- “Na wenn ichs umsonst haben kann zahl ich doch nicht dafür!”
- …
Klar kommt immer noch Kohle über Gigs rein, doch verwundern die enorm gestiegenen Preise für die Tickets nicht mehr in anbetracht der sinkenden Tonträger verkaufszahlen.
Das “Qualitätsdenken” bezüglich Musik scheint mir auch immer mehr in den Hintergrund zu treten. Damit ist jetzt nicht die subjektiv bewertende Geschmacksqualität gemeint, sondern vielmehr die Qualität des Audiomaterials. Der Musikkonsum via Handy und büchsig klingender mp3 files erfährt bei der Jugend eine große akzeptanz, wo früher noch mit dem Ghettoblaster durch die Gegend geschlurft wurde ist es heute das Handy, und die neue Generation ist auf den Sound geeicht.
Dem Vorwurf das 128er mp3 Dateien keine guten Klangeigenschaften (zumal über mini Handyspeaker abgespielt) bieten stellt sich die Frage gegenüber ob auf Kassette kopierte Aufnahmen mit ihrem Bandrauschen einen soviel besseren Sound boten. Die Vinylliebhaber schlugen vermutlich damals, als Walkmans zum Strassenbild gehörten, schon ihre Hände überm Kopf zusammen. Doch ist selbst das als wärmer emfudene Klangbild einer Schallplatte nur den technischen Vorgaben des Mediums geschuldet. Somit ist selbst die Vinylgeneration Soundtechnisch auf ihr Medium geeicht worden.
Doch besteht immer noch ein großer Unterschied zwischen den Generationen des Analog- und Digitalzeitalters. Dabei geht es in erster Linie um die “Wertigkeit” des Mediums. Da bei den Musikkonsumenten die Akzeptanz von physikalischen Tonträgern und die Bereitschaft Geld dafür auszugeben immer geringer wird, müssen auch die Musikschaffenden neue Wege finden ihren Obulus für ihr Schaffen zu bekommen.
Der lohnenswerteste Weg scheint dabei die Lizensierung von Musik für Werbung, TV, FIlm und Videogames zu sein. Wenn man es ersteinmal geschafft hat sich als Künstler in diese Nische zu mogeln, fliessen die Tantiemen flüssig in die eigene Tasche. Der Vorreiter dieser Verbindung von Subkultur-Coolness und Videogames war sicherlich damals WipeOut das nicht zuletzt durch seinen Hammer-Soundtrack zum Erfolg wurde. Grand Theft Auto bot z.B. zich Radiosender mit bekannten Hits (bei einem moderierte sogar Axl Rose). Den ersten Komplett-Soundtrack eines etablierten Künstlers lieferte Amon Tobin für das Spiel Splinter Cell ab.
Es ist eine Zeit des Umbruchs im Musikbusiness angebrochen und nur diejenigen die jetzt schnell und flexibel genug darauf reagieren werden sich langfristig weiterhin als erfolgreich erweisen. Das die Majorlables zu unflexibel auf Veränderungen reagieren hat man schon bei der Umstellung auf das Digital-Zeitalter gemerkt. Nun kommt bereits der nächste Schritt in der Musikbusiness-Evolution und die Majors sind sich immer noch nicht klar darüber ob 0,99€ pro Track nun der Weisheit letzter Schluss sind… Erinnert ann die Dinosauriere… die waren auch zu groß und unflexibel…
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